Der Islam

Das Leben Muhammads

Über das Leben Muhammads sind leider nur wenige historisch verlässliche Fakten bekannt. Er wurde um das Jahr 570 n. Chr. in Mekka auf der Arabischen Halbinsel geboren und gehörte zum Stamm der Quraish und zum Geschlecht der Banu Hashim. Muhammad wurde früh Vollwaise und wuchs zunächst bei seinem Großvater ’Abd al-Muttalib auf, kam aber nach dessen Tod schon wenige Jahre später zu seinem Onkel Abu Talib.

Unter den Beduinenstämmen Arabiens war im 6. Jahrhundert n. Chr. der Glaube an eine große Zahl von Gottheiten, Geistern und Dämonen verbreitet. Steine, Bäume und Wasserquellen galten als Sitz der Götter, und es wurden ihnen dort auch Opfer dargebracht (z. B. Tieropfer). Zumindest bei einigen arabischen Stämmen war darüber hinaus ein höchster Gott, ein Schöpfergott, bekannt, dessen Name wohl ‚der Gott‘ (arab. al-ilah oder al-lah = der Gott, die Gottheit) lautete.

Etwa im Alter von 25 Jahren heiratete Muhammad die Kaufmannswitwe Hadija bint Huwaylid. Hadija kann als Muhammads erste Anhängerin betrachtet werden. Sie bestärkte ihn darin, dass die starken Empfindungen und Eindrücke, die ihn im Alter von etwa 40 Jahren überkommen haben sollen, nicht etwa ein Zeichen von Besessenheit waren, wie Muhammad zunächst selbst annahm, sondern Botschaften von Gott, die Muhammad seinen Landsleuten als Mahnung zur Umkehr und als Warnung vor dem Jüngsten Gericht verkünden sollte. Später kam Muhammad zu der Ansicht, es sei der Engel Gabriel gewesen, der zu ihm gesprochen und ihn aufgefordert habe, als Warner und als Prophet Gottes seinem Volk die Offenbarung Gottes „vorzutragen“ (arab. qara’a, daher Qur’an = Koran).

Dabei konzentrierten sich Muhammads früheste Botschaften vor allem auf zwei Inhalte:

  • Es gibt nur einen einzigen, allmächtigen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde
  • Kehrt zu diesem Gott um, sonst wird das drohende Gericht schnell über euch hereinbrechen

In seiner Heimatstadt Mekka erfuhr Muhammad in den ersten 12 Jahren seiner Verkündigungen (ca. 610-622 n. Chr.) viel Ablehnung und auch offene Feindschaft. Die Lage wurde schließlich für ihn so bedrohlich, dass er im Herbst 622 mit seiner kleinen Anhängerschar heimlich in die Nachbarstadt Yathrib floh (später umbenannt in: Medina) – dieses Ereignis wird als „hijra“ bezeichnet – die „Auswanderung“.

In Medina konnte sich Muhammad unter veränderten machtpolitischen Voraussetzungen als militärischer wie religiöser Führer seiner rasch wachsenden Gemeinde durchsetzen. Er führte seine Anhänger in zahlreiche Schlachten – vor allem gegen drei jüdische und mehrere arabische Stämme – aus denen er mehrheitlich als Sieger hervorging.

Bis zu seinem Tod im Jahr 632 n. Chr. soll Muhammad viele weitere Offenbarungen empfangen haben. Sie wurden erst einige Zeit nach Muhammads Tod zu einem vollständigen Korantext mit seinen 114 Kapiteln (Suren) zusammengetragen.

Der Koran ist für Muslime das in Verbalinspiration herabgesandte Gotteswort, das in Ewigkeit Gültigkeit besitzt. Gleichermaßen göttliche Autorität hat die islamische Überlieferung (hadith), also Berichte darüber, was Muhammad und seine engsten Gefährten in bestimmten Fragen und Situationen taten. Die von muslimischer Seite als echt anerkannten Überlieferungen sind in sechs umfangreichen Sammlungen niedergelegt und haben zusammen mit Glaubensinhalten aus dem Volksislam häufig größeren Einfluss auf das tägliche Leben eines Muslims als der Koran selbst.