Muslimischen Flüchtlingen begegnen - ein Beispiel

Letzten Herbst lernten wir Familie Rahimi kennen. Zwei Töchter der Familie waren bei einem Picknick mit Flüchtlingen dabei, das wir als Gemeinde organisiert hatten. Bevor sie am Ende gingen, erzählten sie uns von ihrem kranken Vater, der die ganze, schwere Reise nach Deutschland wegen seiner Nierensteine mit starken Schmerzen zurückgelegt hatte. 

Die Familie kommt aus Afghanistan, lebte dort ein gutes Leben, hatte ein großes Haus, der Vater arbeitete für die UN. Wegen seiner Kontakte zu Ausländern wurden sie von den Taliban bedroht. Ihr Leben war in Gefahr. Für ihre Flucht musste die 9-köpfige Familie alles aufgeben, was sie hatte. Jetzt leben sie in einem Container in einem großen Flüchtlingslager in Deutschland – und haben plötzlich fast gar nichts mehr. Oft saßen wir in ihrem kleinen Zimmer auf dem Boden, haben mit ihnen Tee getrunken und ihre Geschichte gehört. Wir sind mit ihnen zum Arzt gegangen, haben ihnen gezeigt, wie man eine S-Bahn-Fahrkarte löst und wie Busfahren bei uns funktioniert. Im Krankenhaus haben wir für sie übersetzt, ihnen erklärt, wie ein Krankenhausbesuch abläuft. Im Wartezimmer gab es viele Gelegenheiten für lange und teils auch tiefe Gespräche. 

Jetzt wurde die Familie in ein etwas besseres Flüchtlingsheim verlegt und dem Vater geht es besser. Jeden Morgen bringt er seinen Jüngsten mit Bus & Bahn in den Kindergarten – und arbeitet mehrmals die Woche ehrenamtlich bei der örtlichen «Tafel» mit. Die Töchter gehen zur Schule und sprechen immer besser Deutsch. 

Es ist ermutigend zu sehen, wie Menschen, denen wir bei ihren ersten Schritten in Europa helfen durften, sich hier einleben und auch in der Gesellschaft sozial einbringen – obwohl sie selber gewissermaßen (noch) am Rand der Gesellschaft stehen!